Brigitte Grawe Naturfotografie

Regenfotografie

Denkt man an Fotografie, denkt man an blauen Himmel – idealerweise leicht bewölkt – und malerische Landschaften bei perfektem Licht. Bei Regenwetter zu fotografieren kommt den Wenigsten in den Sinn. Das war auch bei mir bis vor einiger Zeit der Fall, doch inzwischen ist alles anders …

Bei Regen zu fotografieren stellt vor allem eine technische Herausforderung dar. Das hochwertige Equipment soll keinen Schaden nehmen. Ich arbeite meist mit einer Canon 5d Mark III. Diese Vollformatkamera ist gut verarbeitet und somit auch bis zu einem gewissen Grad geschützt. Dabei spricht man von Spritzwasserschutz. Doch was bedeutet das genau?

 

Ohne Normen geht’s nicht

Der Schutzumfang durch ein Gehäuse wird anhand genormter Prüfverfahren nachgewiesen. So stellt man die Eignung elektrischer Betriebsmittel unter verschiedenen Umgebungsbedingungen sicher. Angewandt werden die Normen DIN IEC/EN 60529:2014-9;VDE 0470-1:2014-09 (Titel, dt.: Schutzarten durch Gehäuse). Erwähnt wird in diesem Zusammenhang auch die DIN 40050. Dieses Dokument wurde aber bereits im Jahre 2000 zurückgezogen. Geprüft werden u.a. Fremdkörper- und Wasserschutz. Dabei handelt es sich um den durch ein Gehäuse gewährleisteten Schutz eines elektrischen Betriebsmittels wie beispielsweise einer Kamera gegen das Eindringen von festen Fremdkörpern wie Staub/Sand oder Wasser.

Zur Klassifizierung der unterschiedlichen Schutzgrade wird der sogenannte IP-Code verwendet. Er setzt sich aus den Buchstaben IP (International protection) und einer Kennziffer zusammen. Die Kennziffern sind zweistellig und haben jeweils eine andere Bedeutung. Je höher die Zahlen sind, desto wirksamer der Schutz.

Kennziffer 1 ist in sechs Schutzklassen unterteilt. Sie bewertet den jeweiligen Schutz vor festen Fremdkörpern wie beispielsweise Staub oder Sand:

  1. Geschützt gegen feste Fremdkörper mit Durchmesser ab 50 mm
  2. Geschützt gegen feste Fremdkörper mit Durchmesser ab 12,5 mm
  3. Geschützt gegen feste Fremdkörper mit Durchmesser ab 2,5 mm
  4. Geschützt gegen feste Fremdkörper mit Durchmesser ab 1,0 mm
  5. Staubgeschützt
  6. Staubdicht

Kennziffer 2 gibt in neun Abstufungen an, wie wasserdicht das Gehäuse ist.:

  1. Schutz gegen Tropfwasser.
  2. Schutz gegen Tropfwasser, bei bis zu 15° Neigung des Gehäuses beidseits der Senkrechten
  3. Schutz gegen Sprühwasser, bei bis zu 60° Neigung des Gehäuses beidseits der Senkrechten
  4. Schutz gegen Spritzwasser aus jeder Richtung
  5. Schutz gegen Strahlwasser aus jeder Richtung
  6. Schutz gegen starkes Strahlwasser aus jeder Richtung
  7. Schutz gegen zeitweiliges Untertauchen in Wasser
  8. Schutz gegen dauerndes Untertauchen in Wasser
  9. Schutz gegen Wasser bei Hochdruck- und Dampfstrahlreinigung

Eine eindeutige Zertifizierung gibt es seitens der Kamerahersteller eher selten. Bei Canon sucht man beispielsweise vergeblich danach. Der Grund ist naheliegend; Vermeidung von Regressforderungen. Das finde ich – auch angesichts der Preise – gerade im Profisegment schon ärgerlich.

Canon verspricht für die 5d Mark III ohne Angabe einer spezifischen Schutzklasse immerhin einen sehr guten Staub- und Spritzwasserschutz. Doch was bedeutet das? Das entspricht im Prinzip einer Klassifizierung von IP5X und IPX4. Letzten Endes ist das keine Gewährleistung und gibt mir auch nichts Genaues an die Hand. Kann ich mit meiner Kamera mitten in einer Wasserschlacht oder am Strand fotografieren? Anscheinend ist das möglich. Zumindest machen das einige Kollegen, ohne im Anschluss an der Kamera Schaden festzustellen. Mutig, mutig, kann ich da nur sagen. Ich würde mich das nicht trauen.

Der beste Spritzwasserschutz samt Staubabdichtung der Kamera hilft übrigens nicht, wenn das Objektiv nicht gleichermaßen geschützt bzw. dicht ist. Insofern heißt es auch da; Vorsicht ist angesagt. Generell bin ich jemand, der keinerlei Risiken eingeht, wenn es um mein Equipment geht. Auch wenn alles gut versichert ist, möchte ich solche eventuellen Schäden vermeiden.

Jeder geht mit seinem Equipment anders um. Einer fotografiert ohne zusätzlichen Schutz sorglos in der Wüste, der andere stundenlang bei strömendem Regen. Ich gehöre der vorbeugenden Fraktion an und schütze meine Kameras samt jeweiligem Objektiv grundsätzlich. Das tue ich, sobald ich mich länger im Regen aufhalte, bzw. es sich um mehr als nur Nieselregen handelt.

Bisher war das sowieso nur der Fall, wenn ich zufällig in diese Situation kam. Meist hatte ich dann einen Regenschirm dabei, mit dem ich eher schlecht als recht weiterarbeiten konnte. Aber eher brach ich das Shooting einfach ab. Ein vor Jahren bereits gekauftes Regencape für die Kamera schien mir zu umständlich und blieb deshalb lange und dummerweise ungenutzt.

Neulich hatten wir eine längere Regenperiode und ich war ziemlich genervt, weil ich draußen nicht fotografieren konnte oder besser gesagt, wollte. Ich schaute wehmütig aus dem Fenster zum nahen Wald und dachte darüber nach, wie stimmungsvoll ich doch Regen eigentlich finde. Warum sollte ich das nicht einmal mit der Kamera einfangen? Ich fragte mich, wie ich meine Kamera ohne den lästigen Regenschirm schützen könnte. Mir kamen die Tipps von KollegInnen in den Sinn. Von in Frischhaltefolie eingewickelten oder mit zurechtgeschnittenen Plastiktüten geschützten Kameras war meist die Rede. Die Folie hatte ich einmal am Strand ausprobiert, das ging für mich gar nicht. Fokussieren ist damit nämlich nicht mehr möglich. Auf Eintüten samt Klebeband hatte ich auch wenig Lust. Was also tun?

Da fiel mir das Regencape wieder ein. Wie gut, dass ich so umfassend ausgestattet bin:

Das Regencape besteht aus einer Art Plastikhaube, die über einen flexiblen Rahmen am Blitzschuh befestigt wird. Sie ist groß genug, dass sich für die Bedienung der Kamera bequem untergreifen lässt. Der Kunststoff ermöglicht mir sogar, ohne größere Einbußen durch den Sucher zu schauen. Gewöhnungsbedürftig ist es schon, doch bei mir ging das schnell. Mit etwas Geschick und dem Wissen, dass man bei Regen das Objektiv nicht in die Höhe richten kann, lassen sich so prima Fotos machen. Manchmal habe ich noch zusätzlich einen Regenschirm dabei. Solange ich mit Stativ arbeite ist auch das eine weniger handliche aber akzeptable Lösung, vor allem, wenn man auch mal das Objektiv wechseln möchte.

Für letzteres Problem habe ich aber inzwischen auch eine Lösung gefunden. Ich bin nun glückliche Besitzerin eines Wechselsacks. Superpraktisch auch, wenn man beispielsweise am Strand fotografieren möchte:

Mit dem Regencape wurde ide Fototour durch den regnerischen Wald eine wahre Freude. Ich genoss viele Stunden im grünen Nass und hatte am Ende wunderschöne Waldfotos. Soweit zur technischen bzw. praktischen Handhabung bei Regenwetter. Doch nun zum Eigentlichen; warum bei Regen fotografieren? Für mich ist die Antwort einfach; ich liebe seit meiner Kindheit Regentage. 😊

 

Landschaftsfotografie

Den Einsatz der Kamera bei Regen empfinde ich immer auch als kleine Herausforderung, besonders im Bereich Reisefotografie. Da empfinde ich es auch eher schade. Bei blauem Himmel wirken Städtefotografien meiner Meinung nach ganz anders und schöner.

In der Landschaftsfotografie liebe ich inzwischen meine Regentouren sehr. Erst zweimal war ich bei ‚schlechtem‘ Wetter im Wald und jedes Mal begeistert. Die Stimmung ist eine ganz andere und die nassen Bäume, Wiesen und Pflanzen sind in ihren Farben so gesättigt wie selten. Auf den Wegen erzeugt der Regen einen schönen Schimmer oder Pfützen, in denen sich die Landschaft spiegelt. Wenn man Glück hat, bildet sich Dunst, der sich malerisch über die Landschaft legt.

Regenwetter eignet sich in der Natur für wunderbare Makroaufnahmen. Wer also ohnehin ein Faible für diesen Bereich in der Fotografie hat, sollte sich nach draußen begeben. Auch der Tag danach ist zu empfehlen:

Nicht so einfach ist es, den Regen an sich einzufangen. Aber bei einer sehr kurzen Belichtungszeit von ca. 1/250 sec, offeneren Blende und höherem ISO-Wert ist auch das machbar. Allerdings nicht in Tropfenform, sondern allenfalls strichartig. Da kommt der Redensart von „es regnet Bindfäden“ eine wortwörtliche Bedeutung zu:

Das leise oder je nach Regenstärke laute Prasseln des Regens auf Blätter und Pflanzen hat was. Das Licht ist weicher und gestreuter und verleiht jeder Szenerie eine besondere Stimmung. Die des Waldes kann ich kaum in Worte fassen. Man muss es erlebt haben. Was ich an solchen Tagen ebenfalls schätze; es sind weniger Spaziergänger unterwegs. Diese Ruhe gepaart mit der Regenatmosphäre sind etwas sehr Spezielles, manchmal Melancholisches. Ich denke da besonders an den Monat November. Wenn da noch die Rufe der Raben zu hören sind, bin ich hin und weg.

Regenfotografie auf Reisen

In der ReiseFotografin ist Regen eher eine nicht wirklich gewünschte Wettersituation. Der einzige Vorteil; die meisten Touristen verschwinden in gemütlichen Cafés oder suchen Museen auf. Da lassen sich Sehenswürdigkeiten ohne störende, ins Bild laufende Menschen aufnehmen. Habe ich jedoch die Wahl, fotografiere ich Städte und Architektur natürlich lieber bei gutem Wetter.

Mein Fazit

Sobald es nicht gerade wie aus Kübeln regnet und ich es zeitlich einrichten kann, mache ich mich auf den Weg in den nahegelegenen Wald. Man sollte übrigens bei allem Augenmerk auf die Kamera nicht vergessen, sich selber auch entsprechend zu schützen. Ein verregneter Wald ist meist matschig und rutschig. Und nichts ist schönen Fotos mehr im Wege als nasse Füße in undichten Schuhen oder kaltnasse Oberbekleidung. Wenn es für die Fotografin bzw. den Fotografen ungemütlich wird, hört alle Freude auf. Dann möchte man nur noch schnell nach Hause und hofft, sich keine Erkältung eingefangen zu haben. Und das wäre doch schade.

Wer so gar keine Lust verspürt bei Regen hinauszugehen, der kann übrigens auch schöne Fotos durch die verregnete Scheibe machen.

Die Fotos meiner RegenWaldTour sehen Sie hier: Regenlandschaft

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  • Regencape gekauft bei Amazon: Neewer®
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