Brigitte Grawe Naturfotografie

Makrofotografie – kein leichtes Unterfangen!

Wer die Natur liebt und fotografiert kommt an der Makrofotografie dauerhaft nicht vorbei. Viel zu schön sind die zu entdeckenden Details etwa an Blüten oder Insekten, die man in der freien Natur mit bloßem Auge gar nicht wahrnehmen kann. Schon mit meiner Digital- und der späteren Bridgekamera habe ich solche Aufnahmen geliebt. Allerdings waren das keine echten Makrofotos, was man im Endergebnis jedoch nicht sehen kann. So spreche ich hier lieber von Großaufnahmen.

Ach wie war es doch vordem, einfach und auch sehr bequem!

Mit der Digital- oder Bridgekamera lässt sich relativ einfach eine gute Großaufnahme machen. Man geht einfach so nah, wie möglich ran und schneidet das Foto anschließend entsprechend zurecht. So erzielt man den Makroeffekt. Auch mit der Spiegelreflexkamera lassen sich auf diese Weise wunderschöne Aufnahmen mit dem Kit-Objektiv machen. Nicht das schlechteste Ergebnis, aber meinem Anspruch genügte es nicht. Für einen entsprechend hochqualitativen Ausdruck sind diese Bilder leider auch nicht geeignet. Durch das Zurechtschneiden sind die Dateien nicht mehr groß genug. Wer die folgenden Bilder mit dem Titelfoto vergleicht, sieht schnell den Unterschied von dem, was ich Großaufnahme nenne, zum Makrofoto.

 

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Doch zunächst einmal, was genau ist eigentlich Makrofotografie? Davon spricht man, wenn Objekte mit einem Abbildungsmaßstab von ca. 1:1 fotografiert werden. Dazu gibt es – man höre und staune – sogar eine DIN-Norm. D.h., im Falle einer Spiegelreflexkamera, das Objekt muss 1:1 auf dem Sensor abgebildet werden. Ein Sensor? Vereinfacht ausgedrückt; während bei der analogen Kamera der Film belichtet wird, ist das bei der digitalen Spiegelreflexkamera der Sensor. So weit, so gut. Doch wie genau läßt sich das bewerkstelligen? Und was braucht man dazu?

Makroobjektiv, Konverter, Nahlinsen oder Zwischenringe?

Den Kauf eines Makroobjektives schob ich lange hinaus. Wie jedes gute Objektiv sind sie leider sehr teuer. Da hatten andere Anschaffungen für mein Equipment noch Vorrang. So half ich mir zunächst mit einem Konverter. Mit Hilfe dieses Umkehrrings setzt man ein Objektiv verkehrt herum auf die Kamera und erzielt dadurch einen Lupeneffekt. Die Aufnahmen waren nicht wirklich schlecht aber bei Weitem nicht das, was ich mir erhofft hatte. Als nächstes schaffte ich mir ein ganzes Sortiment Nahlinsen an. Auf das normale Objektiv aufgeschraubt wirken auch sie wie eine Lupe. Das Ergebnis? Na ja… Die Zwischenringe probierte ich daraufhin erst gar nicht mehr aus. Dieses ’nichts Ganzes und nichts Halbes‘ fühlte sich einfach nur unprofessionell an. So entschied ich mich doch für ein Makroobjektiv, und zwar ein richtig gutes. Als ich es endlich in Händen hielt, waren Vorfreude und Erwartung riesengroß.

Gut Ding will Weile haben

Ich glaubte, mit nicht mehr als dem in der Fotografie gewohnten Aufwand, endlich echte Makrofotos machen zu können. Umso größer waren Enttäuschung und Frust; so einfach ist es nämlich nicht. Das hätte ich auch wissen müssen, doch irgendwie hatte ich da was verdrängt; die Beugungsunschärfe. Eine banale, aber wichtige physikalische Tatsache. Auch das beste Makroobjektiv kann nicht zaubern – leider. Schon das nahe Herangehen ans gewünschte Motiv führt automatisch zu geringer Schärfe und Schärfentiefe. Was normalerweise hilft, nämlich abblenden, funktioniert hier nicht. Ab einem gewissen Blendenwert wird das Bild nicht mehr schärfer, sondern unschärfer. Man spricht daher auch von der kritischen sowie der förderlichen Blende. Das führt dazu, dass immer nur ein sehr kleiner, im Millimeterbereich liegender Teil scharf abgebildet wird. Irgendwann ging mir zwar ein Licht auf, doch die Problematik blieb. Ich fotografierte und probierte, leider immer wieder mit demselben Ergebnis. Also begann ich zu recherchieren und stieß schnell auf die Lösung. Ich hatte bereits davon gehört, mich aber nie damit auseinandergesetzt.

Focus stacking – oder mühsam ernährt sich das Eichhörnchen

Das Erlernen dieser Technik, war wie eine Erlösung. Aber ich begriff auch, dass Makrofotografie viel Arbeit verursacht. Focus stacking bedeutet, viele Einzelbilder zu einem Bild zusammenzufügen. Dazu wird das Motiv mehrmals fotografiert. Bei jedem Einzelbild legt man den Schärfefokus auf eine anderen Bereich. Hat man alle Teile des Motivs so erfasst, wird diese Bilderserie am PC zu einem daraus resultierenden Ergebnis verrechnet. Dafür gibt es spezielle Software, bzw. Programme und Tools. Sie erkennen die scharfen Detailsin den Einzelfotos und fügen sie zusammen. Ein Aufwand, der sich lohnt, wie Sie an folgender Bildserie sehen können.

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Der Aufwand mit dieser Methode ist unterschiedlich. Hier reichten fünf Bilder für ein tolles Ergebnis. Je nach Motiv können im Vorfeld 30 Einzelabbildungen und mehr notwendig sein. Das ist Kleinstarbeit und erfordert höchste Konzentration. Doch wer sich geduldig zeigt, wird am Ende belohnt. Es ist ein magischer Moment, wenn sich nach dem Errechnen und Zusammenfügen der Serie endlich das fertige Bild öffnet. Und das kann dauern, was nicht nur an der Anzahl der Bilder liegt. Da ich ausschließlich im RAW-Format fotografiere, kommen da nicht gerade wenige Megabytes zusammen. Doch das Warten lohnt sich und ist ein gutes Beispiel dafür, was die Fotografie am Ende ausmacht: Der Weg ist das Ziel! Man läuft kilometerweit und stundenlang durch Landschaften und Städte, schleppt kiloweise Equipment mit sich herum, hält Ausschau nach passenden Motiven, wartet geduldig auf den idealen Auslösemoment, sitzt dann noch stundenlang am PC und freut sich am Ende wie Bolle über die Ergebnisse. Und ich möchte nichts davon missen.

Sehen Sie auch mein Video dazu: Focus stacking – von der Unschärfe zur Schärfe

Mehr Groß- und Makroaufnahmen können Sie hier sehen: Portfolio

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