Brigitte Grawe Naturfotografie

Ein Tag im Wald

Sonntagmorgen,
kurz nach Sonnenaufgang.
Der noch junge Tag
ist erfrischend kühl.
Durch das schlafende Dorf
führt mich mein Weg
in die Natur.
Keine Menschenseele
weit und breit.
Nur der Wald und ich.
Glücklich tauche ich ein.
Die grüne Welt umfängt mich,
mit ihrer Zerbrechlichkeit,
mit ihrer Kraft.

Weicher Boden unter meinen Füßen.
Meine Schritte;
lautlos und leicht.
Der Wald trägt mich.
Mein Lieblingsplatz,
eine Gruppe Buchen.
In den Himmel ragende Stämme,
leuchtend grünes Blätterdach.
Glücksgefühl!
Moosbedeckte Stellen,
wie Kissen.
Ich möchte mich niederlegen
und bleiben,
für immer.
Geborgenheit.

Ich stehe einfach nur da,
genieße.
Mit all meinen Sinnen
erwarte ich
das Erwachen des Waldes.
Atme tief ein.
Der Duft des Waldes
steigt in meine Nase.
Harziger, holziger Geruch der Bäume,
feuchte Erde,
Moos
und ein mild-süßlicher Duft
früher  Blüten.

Innere Ruhe
öffnet meine Ohren.
Ich schließe die Augen
und höre.
Flügelschlagen im dichten Blätterdach.
Unzählige Vögel;
pfeifen, zwitschern, tirilieren.
Zart und kräftig zugleich,
melodiös und frohlockend.
Ich lausche andächtig
der Musik des Waldes.

Die Sonne scheint jetzt stärker.
Ihre Strahlen funkeln im Blattwerk,
blenden mich.
Ich schließe die Augen.
Wohlige Wärme
liebkost mein Gesicht.
Schatten bemalen den Waldboden.
Lange Linien ziehen sich musterartig,
abwechselnd hell und dunkel
zwischen den Bäumen hindurch.

Wind kommt auf,
umspielt mein Haar.
Sucht seinen Weg durch die Bäume.
Bewegung überall;
erst sachte,
dann stärker.
Blätterrauschen wie Musik.
Ich schaue hinauf.
Die hohen, schlanken Bäume
wiegen laut knarrend hin und her.
Es klingt wie das schnelle Hämmern eines Spechts.
Zu meinen Füßen
plötzliches Rascheln.
Zwei Eichhörnchen,
klettern flink in die Höhe,
jagen von Ast zu Ast,
von Baum zu Baum.
Dann sind sie fort.

Auch ich gehe von Baum zu Baum.
berühre jeden einzelnen
mit meinen Händen,
meinem Gesicht,
lehne mich an.
Spüre heilende Kraft,
Alles ist gut.
Hier und jetzt,
dieser Moment
sonst nichts.
Seelenbalsam.
Seelenfrieden.

Irgendwann gehe ich heim,
verlasse den Wald
zumindest für diesen Tag.
Tief erfüllt und reich beschenkt
kehre ich nach Hause zurück.
Auf meinen Wangen fühle ich noch
die Spuren meiner Tränen,
Tränen des Glückes und der Dankbarkeit.

©2015bgrawe

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